Coaraze – Radtrainingslager Teil 4 „Season Final“

Es wird mal wieder Zeit, und wenn ich ehrlich bin, habe ich es in letzter Zeit vor allem aufgrund des guten Wetters immer wieder vor mir hergeschoben. Und jetzt gerade in diesem Moment denke ich, dass ich diesen Artikel mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit auch heute nicht zu Ende bringen werde (Montag 22:04 Uhr). Aber Versuch macht Klug …

Unsere tolle Urlaubs-/Trainingswoche endete mit einem „jeder darf machen, was er will“-Tag, Relaxen, Radeln, Kraxeln (Klettern), Wandern und natürlich das leidvolle Packen und Verstauen; alles war möglich! Chrissie und ich entschieden uns für eine letzte lockere Radtour, einmal durch’s „Landesinnere“ nach Monaco und Menton. Den Rückweg dann schön entlang der Küstenstrasse; das hörte sich nach einem lockeren Plan an. Meine erste Idee war den sogenannten „Brausepass“ zu erzwingen, ich fand sie klasse, aber Chrissie konnte sich dann leider doch nicht von mir überzeugen lassen, die 15% Steigung auf den knapp über 1000 m hohen Pass zu bezwingen. Also einigten wir uns auf den Mittelweg, welcher sich am Ende dann nicht viel leichter erwies, aber zu dem Thema Kartenerkundung in Gebirgslandschaften habe ich ja bereits schon mal was geschrieben.  Wir nahmen die Standardroute aus Coaraze und folgten der Strasse nach Nizza, kurz vorher einmal links abbiegen und dann sollte man ja irgendwo oberhalb der kleinen Seebäder auf die Panoramastrasse stossen.

Monaco

Wieder mal auf Kies gefurzt würde Atze jetzt sagen. Es ging erst einmal stetig bergauf, am Anfang ganz locker und mit jedem sich der Küste nahenden Kilometer ging die Steigung nach oben. Nach 5 km musste dann auch der Wiegetritt eingelegt werden und der zögernde Blick zurück ließ mich in Chrissie’s Gesichtsausdruck erkennen, dass es nicht die beste Idee war. Wir quälten uns die nächsten 5 km so weiter, und gelangte dann doch abgekämpft auf die „Grace Kelly Gedächtnisroute“.

 

Die Mühen waren es Wert, der Ausblick war klasse, wir hatte Monaco vor den Füßen, und uns wurde jetzt erstmal bewusst, wie Steil die Berge hier vom Meer aus anstiegen. Bei der ganzen Anstrengung hatte ich auch total vergessen, auf meinen Höhenmeter zu kucken, und stellt hier fest dass wir die 600 m mal wieder geknack hatten. Unsere Abfahrt verlief dann sehr angenehm oberhalb von Monaco nach Menton (laut Reiseführer den Ort mit dem mildesten/wärmsten Klima auf’s Jahr gerechnet in Frankreich). Irgendwas muss ich auf jeden Fall falsche verstanden haben, bzw. mein Körper. Mir war kalt, und zwar die ganze Zeit.

In Menton hatten wir dann auch großen Spass, meine zu mir genommene Menge an Flüssigkeit hatte auf einmal den unbedingten Drang meinen Körper zu verlassen. Also irrten wir durch den Ort auf der Suche nach einer öffentlichen Toilette. Schließlich wollte ich mich ja nicht von dem nächsten Gendarmen auf eine unfreiwillige Urlaubsverlängerung einladen lassen. Das ganze Projekt erwies sich anstrengender als erwartet. Die erste war quasi außer Betrieb. Die örtlichen Strassen- und Tiefbauarbeitskräfte hatten rund um diese Toilette einen 100 cm tiefen Graben gebuddelt und nur die Toilette stand noch frei. Also ab zur nächsten… Jetzt war das nötige Kleingeld das Problem. Mit meinem 50 € Schein kam ich leider nicht weit, 30 Cent sollte es kosten, und keine Möglichkeit zum Wechseln. Also machte ich mich auf von Laden zu Laden. Im ersten, einer Bar war ich so schnell wieder draußen wie ich reingekommen war. Der Zweite Laden, eine Kiosk, schaffte es meinen 50 € Schein in 5 ea. 10 € Scheine  zu wechseln. Der Dritte Laden schaffte es aus einem 10er zwei 5er zu machen und im vierten Laden bekam ich dann im Tausch gegen ein Schokocroissant dann zwei mal 30 Cent Wechselgeld zurück. Der Rest ging dann recht schnell. Wir machten uns dann im Anschluss auf den Weg nach Monaco, irrten dann auf der Suche nach einer Eisdiele ein bisschen hin und her und landeten dann schließlich mit unseren Rädern auf der Formel 1 Strecke. Dort hingen wir dann fest und irrten mit den rasenden Autos (nicht Formel 1) im Verkehr mit und suchten nach einer Möglichkeit die Strasse zu verlassen. Nach ein paar Minuten, gefühlt eine Ewigkeit, gelang uns das dann schließlich auch. Wir gelangten durch Glück über das Casino zum Hafen und fanden dann durch die freundlich Unterstützung zweier Männer mit Eis in der Hand zu unserer heißkalt erwarteten Eisdiele. Der Rest war eigentlich eher unspektakulär. Wir speisten unser Eis am Hafen von Monaco und machten uns Gedanken über Schein und Sein. Der Weg zurück war dann locker, die Strecke bekannt.

Als kleine Randnotiz: Hier war am Montag dann doch Schluss mit schreiben, der Dennis war kaputt gespielt und platt.

Zur gleichen Zeit in Coaraze, und jetzt kommt der Teil, den ich nur vom Hörensagen wieder geben kann, waren unsere 4 fleißigen auf Wanderschaft. Gipfel mussten erklommen werden, Bine wollte hoch hinaus also brachen die 4 mit Picknick und Zubehör auf. Geschwitzt haben sie, auf dem Weg in die Berge und der höchste Gipfel wurde bezwungen. Es waren über 1000 m wo sie den leckeren Wein, Käse und Brot verspeisten, gefühlt war es der Mt. Everest. Es hörte sich zumindest beim erzählen am Abend so an. Vielleicht schreiben Sie ja ein detailliertes Kommentar hierzu, denn ich kann leider nicht alles wiedergeben. Und an dieser Stelle möchte ich Sie noch einmal besonders loben, denn als Chrissie und ich wieder am Haus ankamen, war bis auf die letzten Kleinigkeiten alles in unserem Anhänger verpackt und verstaut. Und die 4 hatten sich auch schon an die vorbereitenden Maßnahmen für den Auszug gemacht. Wir tauschten unsere Heldengeschichten ein letztes mal aus, vernichteten unsere Lebensmittelreste und spielten die letzte Runde „Meier“, bei der mal wieder der Gewinner trinken durfte und nicht die Verlierer.

Le Casino

Die Abreise:

Und jetzt kommt noch ein kleines Schmankerl. Wie bereits erwähnt, hatten wir die große Frage, wie wir unseren Anhänger aus der „Schlucht“ wieder „Retten“ konnten total verdrängt. Unser Vermieter Jean-Pierre, hatte uns versprochen, am heutigen Tag mit einem kleinen LKW zu kommen, und damit das Problem zu lösen. 1. Er kam, mit seinem Sohn Robin, und war überpünktlich; 2. Er hatte um die Hinterachse zu beschweren auch ne Tonne Sand geladen. Gemeinsam mit Peter und Ocke machte er sich dann auch auf schnell dran, den Anhänger anzukuppeln. Und jetzt fingen die Probleme an. Der LKW hatte die passende Anhängerkuppelung, aber als wir versuchten den Anhänger anzuhängen, stießen wir auf das Problem, entweder den Bremshebel unter die Ladefläche zu bekommen und dafür dann den Anhänger nicht ankuppeln zu können oder einfach beides nicht hinzubekommen. Nachdem ich mich dann versucht hatte mit kreativen Ideen einzubringen, die bei den drei Männern für Skepsis und Unverständnis sorgten und die drei Mädels sich darüber amüsierten, dass ich „gar nichts kann und zu nichts zu gebrauchen bin“, zog ich mich dann auf den nächsten Baum zurück und genoss die nächsten Minuten von oben. Und die spielten sich in der Kurzfassung etwa so ab. Peter war der Handlanger, McGuyver (Deutsch) traf auf McGuyer (Französisch) und beide fingen an die Bremse zu zerlegen, stellten aber dann fest, dass Sie angenietet war. Darauf hin wurde sie schnell wieder zusammengebaut, und die drei Helden bauten den Bremshebel komplett aus. In der ganzen Hektik ging der kleine Robin dann auch irgendwie verloren. Aber Ocke konnte dann die Frage seines McGuyver Kollegen dann interkulturell beantworten >>Robin, – le garage<< und die Unterstützung dieser Aussage mit einem Richtungszeig machte  es dann für jeden eindeutig was er meinte. Mit ausgebauter Bremse passte der Hänger dann unter dem LKW, und Jean-Pierre zog dann den LKW den engen Weg zur Hauptstrasse hinauf. Oben bauten wir die Bremse wieder zusammen, wir hatten auch keine Teile über, verabschiedeten uns herzlich von McGuyver (Französisch) und machten uns dann durch das landesinnere auf dem Weg Richtung Schweiz.

Meine persönliche Meinung zu unseren geänderten Rückroute. Aufgrund der längeren Zeit war es wohl nicht so eine clevere Idee, aber die Landschaft war traumhaft und so weiter wir uns von der Küste entfernten, umso mehr Plateaus wo man auch mal 30 bis 40 km gerade aus fahren konnte. Und für die eine Gegend hätten wir uns dann auch ca. 600 km und jeweils 4 Stunden Fahrzeit sparen können. Sabine war leider von der Strecke am wenigstens begeistert, aber das erzählt sie euch vielleicht selbst.

Das wir heile angekommen sind, habt ihr ja mitbekommen und zum Schluss kann ich nur sagen. Nächstes Jahr machen wir es wieder, denn es war spitze. Nur wo es hingehen soll, dass müssen wir dann mal sehen. Und schön wäre es natürlich auch, wenn sich der eine oder die andere uns anschliessen würde.

Ich habe fertig.

2 Kommentare

  1. Super, Dennis, man wird wirklich neidisch!!!

    Toller Bericht!!!
    Hans

    • Marzi & Tim on 28. April 2011 at 19:00
    • Antworten

    Wahnsinns Bericht…echt tolle geschrieben! Eure Tour war wahhaftig super, das kann man lesen und spüren. Schade das nun schluss ist mit der Berichterstattung!
    Danke fürs teilhabendürfen! 🙂

    Marzi&Tim

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.