Hamburg Marathon 2011

Sorry, diesen Endlosbericht von einem Megaevent musste ich hier einfach platzieren.

Was für ein Wochenende. Erst zwei Wochen vorher erhielt ich eine Gewinnbenachrichtigung von www.laufen.de und damit einen kostenlosen Startplatz für den Hamburg Marathon. Aus dem Stehgreif einen Marathon? Mit 11 bereits gefinishten Marathons innerhalb der letzten sechs Jahre verfügte ich über entsprechende Erfahrung, warum also nicht. Einen Tag später fing damit meine Marathonvorbereitung an, die lediglich aus einem langen Lauf über 31,5 Kilometern bestand. Am Wochenende vor dem Marathon schob ich noch einen 10 Kilometer Wettkampf und die RTF in Wesseln ein. Am Dienstag wurde meine Vorfreude dann durch Unwohlsein und leichtes Halskribbeln gebremst. Kündigte sich etwa eine Grippe oder Halsentzündung an? Unter diesen Umständen würde ich auf keinen Fall an den Start gehen. Das Schwimmtraining ließ ich also vorsichtshalber ausfallen. Mittwoch schien sich mein Zustand weiter zu verschlimmern und ich nahm Kontakt mit meiner Homöopathin auf. Donnerstag war ich auf einmal wieder beschwerdefrei und konnte problemlos den Einsteigerkurs vom TSV Goldebek anleiten. Freitag fühlte ich mich einfach super. Voller Vorfreude was mich wohl erwarten würde, machte ich mich also am Sonnabend auf den Weg nach Hamburg. Kurz stellte ich mich bei Christian Ermert von Laufen.de vor, dessen Eventstand sich außerhalb der Messe befand und den man praktisch nicht verfehlen konnte. An der Startnummerausgabe lief mir auch schon unsere Floosejüngerin Alex Mrosek über den Weg. Alex freute sich schon auf ihren zweiten Marathon. Ausgiebig inspizierte ich daraufhin die Marathonmesse und traf noch reichlich weitere Bekannte aus den Vereinen TSV Lindewitt, TSV Mildstedt, RW Niebüll, TSV Hattstedt, Spiridon Schleswig und meinem Drittverein „Freie Waldorfschule Flensburg“. Die Läuferwelt ist halt eine große Familie. Zu 15:00 Uhr war ich zwecks Gewinnübergabe des zusätzlich gewonnenen VIP-Tickets an den Stand von Laufen.de gebeten worden. Da ich bereits um 14:30 Uhr dort eintrudelte, führte zu einem zusätzlichen Erlebnis. Kurz nach mir traf nämlich auch der Profisportler Jan Fitschen ein, der unter anderem im Jahr 2006 seinen größten Erfolg als Europameister über 10.000 Meter feierte. Mittlerweile auf die Marathondistanz umgesattelt, finishte Jan am 08.05.2011 seinen ersten Marathon in Düsseldorf mit einer Zeit von 2:20:15 Stunden. Für den Hamburg Marathon war er als Co-Moderator vom NDR eingeladen worden. Im Schlepptau hatte er einen Fotografen und prompt standen wir beide gemeinsam für ein Fotoshooting auf dem großen Eventlaufband. Training mit Jan Fitschen – coole Sache. Es folgte die Gewinnübergabe und ein kurzes Interview. Was für ein Abenteuer. Noch schnell ein Autogram für die Floose und ab nach Hause – Klamotten für morgen packen. Um  5:00 Uhr ging der Wecker. Eine Stunde später wurden ich und mein Bruder Fred von Jan Petersen abgeholt. Erneut ging es Richtung Hamburg. Wir parkten bei ca. bei Kilometerpunkt 31 und fuhren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Eventgelände. Nach der Kleiderbeutelabgabe kletterten Jan und ich gemeinsam über die Absperrung in das wartende Starterfeld der Gruppe G. Fred kostete zu diesem Zeitpunkt bereits die Vorzüge des VIP-Tickets aus, welches er krankheitsbedingt von meiner Ellen bekam. Leider konnte Ellen somit erstmals nicht bei einem von mir gelaufenen Marathon dabei sein. Als VIP mit besonderen Vorzügen stand Fred so direkt neben Olaf Scholz, dem Bügermeister der Stadt Hamburg, als dieser den Start mit einer großen Glocke anleutete. Aus erster Hand bekam er so das Favoritenfeld und den Start zu sehen. Direkt hinter den Favoriten leuchtete das gelbe Ladelundshirt von Christian Petersen auf. Irgendwo in der dahinter stehenden Menge standen wir Möchtegernamateure warteten ebenfalls darauf, endlich etappenweise loszutraben. Dann war es soweit – Gänsehaut – und los. Immer wieder erspähe ich am Streckenrand bekannte Gesichter, die mich kräftig anfeuerten. Nur wo war die Flooseflagge? Erbarmungslos brannte die Sonne vom Himmel, ganz entgegen der superschlechten Wettervorhersage. Hätte ich mich bloß mit Sonnenmilch eingerieben. Jan hatte seine Schirmmütze vergessen und so wurde noch kurz vor dem Start mein Wegwerfshirt zum Kopftuch umfunktioniert. Plötzlich sehe ich Kerrin am Straßenrand und rufe ihr zu. Die Floose ist da – wie schön! Nur keine Flagge zu sehen. Jeder Schatten wird wohltuend anvisiert. Meine Beine fühlen sich jedoch an, als hätte ich erst vor zwei Tagen einen langen Lauf gemacht. Wohl nicht mein Tag heute. Wenn das so bleibt, muss ich von meinem 4-Stunden-Zeitziel doch etwas Abstand nehmen, wird mir mit jedem weiteren Kilometer bewußt. „Das sieht gut aus, Frank!“, brüllt mir meine Goldebeker Vereinskollegin Heidi Hansen plötzlich vom Streckenrand zu. Grinsend laufe ich zu den Landungsbrücken runter und freue mich auf diesen zuschauergeballten Streckenabschnitt.Nach 52 Minuten passiere ich die 10 Kilometermarke. „Bis zum Halbmarathon versuchst du noch dein Level zu halten“, denke ich mir und überhole sogar einige Tempoläufer für 3:45 Stunden. Mein Bruder nutzt mittlerweile sein VIP-Ticket, welches ihn in die Fliegenden Bauten zum Frühstück mit anschließendem Brunch führt. Vorher muss er noch zahlreiche Reden ertragen. Tja, auch als VIP hat man so seine Last zu tragen. Mit 01:52:03 überschreite ich schließlich die Halbmarathonmarke. Kurz darauf taucht Jan Petersen wieder auf. Er ist noch guter Dinge und fest entschlossen, sein Zeitziel von unter 4 Stunden einzuhalten. Ich wünsche ihm einen guten Lauf und schwups zieht er von dannen. „Warum sich quälen“, denke ich mir, „immerhin bin ich auf der längsten Partymeile Hamburgs“. Ich reduziere mein Tempo, lege immer wieder Gehpausen ein und fange an, mit dem Publikum zu spielen. Was für ein Spaß. Auch das Publikum ist hungrig auf Reaktionen der Läufer. Gutgelaunt mit lustigen Sprüchen am laufenden Band geht es weiter. Stetig zieht das Läuferfeld an mir vorbei. Hin und wieder erblicke ich einen Bekannten wie z. B. Sören Sönksen vom SV Enge-Sande, laufe quatschenderweise ein Stück mit und lasse ihn dann weiterziehen. Aber auch mit vielen Fremden komme ich automatisch ins Gespräch. Wo die alle herkommen. Marathon einmal ganz anders. An einer Haspa-Filiale steht die gesamte Belegschaft trotz Sonntag an der Strecke. Auf meine Frage nach einem Telefon wird mir augenblicklich ein Handy hingehalten. Kosten? Völlig egal – als Läufer hast du heute alle Freiheiten! Zu Hause springt leider nur der Anrufbeantworter an. „Hallo Ellen, ich bin’s und mir geht es super! Ich genieße die zweite Hälfte und habe eine Menge Spaß! Mach dir keine Sorgen, ich komme nur etwas später ins Ziel“. Weiter geht das Fest. Schon steht eine tolle Sambatruppe am Rand und mit schwingender Hüfte tanze ich dankend vorbei. „Komm Frank, weiter geht’s“ ruft mir jemand zu. Jeden Augenblick hört man seinen Namen, der groß unter der Startnummer steht. „Dann komm doch mit“, rufe ich grinsend zurück. Plötzlich springt eine Blondine über die Absperrung „Okay, dann mal los“, haut sie mich an und schlägt ein erschreckend schnelles Tempo an. Wenige Meter ziehe ich mit, muss dann aber doch passen. „Lauf einfach langsamer weiter“, ruft mir die Blondine noch zu und verschwindet wieder im Zuschauerpulk. Mein Blick durchforstet das Läuferfeld nach Bekannten und ich treffe auf Heiko Tiedemann vom TSV Mildstedt, sowie auf Claudia Kaletzke vom MTV Leck. Das ständige Anlaufen – Gehen – Anlaufen scheint meiner Muskulatur allerdings nicht so gut zu bekommen. Ab Kilometer 38 fangen meine Unterschenkel an, zu verkrampfen. Bisher hatte ich etwas in dieser Form noch nicht beim Laufen erlebt. „Was soll’s“, notfalls gehe ich halt den Rest. Das ist jedoch gar nicht so einfach. Je näher man dem Ziel kommt, desto energischer legen sich die Leute ins Zeug, doch noch ein paar Laufschritte aus den erschöpften Teilnehmern herauszuholen. Vor dem Dammtor steht auf einmal meine Goldebeker Vereinskameradin Susanne Martensen-Hartwig. Obwohl ich völlig verschwitzt bin, bekomme ich eine herzliche Umarmung. Susanne, du bist klasse!  Nur noch zwei läppische Kilometer und schon biege ich gehend in die Zielgerade. „Die paar Meter werdet ihr ja wohl noch laufen können“ versuche ich meine Muskeln zu überreden. Das Ziel im Blick lässt meine Endorphine sprudeln. Direkt vor der Ziellinie sehe ich meinen Bruder, der durch sein VIP-Ticket den coolsten Sitzplatz überhaupt ergattern konnte. VIPs haben echt brachiale Vorzüge aber Laufen ist noch besser! Grinsend klatsche ich meinen Bruder ab. Dann ist es soweit! Der absolute Höhepunkt – Zieleinlauf  – Marathonorgasmus – Freude pur. Der Moment, den jeder Marathonläufer herbeisehnt. Wenn auch vielleicht aus unterschiedlichen Beweggründen. Bei mir ist es zumindest auch nach dem 12. Marathon die reine Glückshormonausschüttung. Einfach nur geil! Zielzeit: 04:36:46 – WOW! Und das ohne Vorbereitung. Marathon – eine Leidenschaft, die bei mir ungebrochen bleibt. Vielen vielen Dank an die zahlreichen Zuschauer, die vielen Bands, Trommelgruppen, Spielmannszüge und für die tolle Stimmung an der Strecke! Und einen ganz besonderen Dank an Laufen.de und Krombacher, ohne die ich dieses Erlebnis nicht gehabt hätte.

Frank Lorenzen

 

Im Party-Village tauchte dann auch endlich die Floose-Flagge auf. Tobis Anhang hatte das gute Stück mit an die Strecke genommen. Aber der Kerl ist ja derart schnell – kein Wunder, dass auf der Strecke nichts davon zu sehen war! Bis auf Alex (wo warst Du?) trudelten alle Floosies und auch unsere Freunde von Well-Fit ein. Alle sind durchgekommen. Tolle Leistung!

Herzlichen Glückwunsch an unsere erfolgreichen Finisher, besonders an Coco der seine erste Marathonmedaille in Empfang nehmen durfte.

3:15:08 Tobias Kaim

3:56:07 Jan Petersen

4:30:33 Dirk Meier

4:36:46 Frank Lorenzen

4:39:32 Alexandra Mrosek

4:41:37 Constantin (Coco) Janneck

Frank Lorenzen mit Jan FitschenStart

4 Kommentare

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    • Ellen Lorenzen on 24. Mai 2011 at 11:44
    • Antworten

    Lieber Frank,
    Hendrik und ich sind so stolz auf dich!
    Der Hamburg- Marathon hat wieder einmal gezeigt, dass du ein richtiger „Kämpfer“ bist und dich nicht so schnell unterkriegen lässt. Der Weg ist das Ziel. Und dein Weg ins Ziel war grandios.
    Herzlichen Glückwunsch auch an Jan, Tobias, Dirk, Coco und Alex. Tolle Leistung!
    Bedanken möchte ich mich hiermit bei allen, die Frank an der Strecke und im Ziel angefeuert und unterstützt haben. Ihr seid eine tolle Truppe und ich bin froh, dass Frank einer von „Fri Ööwingsfloose“ ist. Macht weiter so.
    Ellen

  1. Scheiße Frank, was schreibst Du gut!!!
    Es mach richtig viel Spaß Deinen Bericht zu lesen und man beneidet Euch wie Schwein. Respekt !!!! Herzlichen Glückwunsch Euch allen 6, und natürlich auch allen Finischern der befreundeten Vereine, wie auch allen die’s geschafft haben.

    Was mich auch umhaut, ist, dass mit eurem Lauf im ersten Halbjahr 2011 gesamt 13 Mitglieder der Floose einen Marathon absolviert haben, zwei, Dirk und Du Frank , sogar zwei gelaufen haben. Ihr seid die Größten!!!

    Nochmal: Glückwunsch Tobi …………Geile Zeit!!! 03:15 h…ein Traum!!
    Euch Allen: Super Ergebnisse
    Auch Dir, Coco, geiles Debüt!!!

    Hans

    • Marzi&Tim on 25. Mai 2011 at 06:09
    • Antworten

    Hammer Berricht und hammer Wettkampf….das macht Laune!

    Glückwunsch an euch alle…das war hervorragend!
    Und Ocke….dein Tag wird auch noch kommen!

    Gruß Tim&Marzi

    • Rolf Niebergall on 25. Mai 2011 at 16:06
    • Antworten

    Was für ein schöner Bericht…also Frank Du bist echt ein cooler Sportsmann mit einem Super Sportsgeist.Da kann sich so mancher eine Scheibe von abschneiden.Das macht unseren Sport einfach zum Größten.
    Auch an alle anderen Finishern ein ganz großes Respekt.

    Besonders aber an Tobi für so eine Super Leistung.Echt coole Zeit vorgelegt.
    Bin echt auch Stolz auf dich.Hast du dir voll verdient.
    Da werden wir auf jeden Fall langsam dran arbeiten um diese zu unterbieten.Das ist eine interne Floose Kampfansage…Oje!!!!Was tue ich mir da jetzt an.Aber nicht nur schnacken ,jetzt wird dran gearbeitet.

    Und Coco, auch dir für deinen ersten Marathon ein ganz großes Lob.Wirklich eine schöne Leistung.

    LG an alle Floosen Rolf

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