Warum wir eigentlich Triathlon machen!?!

Nachdem ich ja in die Enge gezwungen wurde wieder tätig zu werden, muss ich wohl erst einmal das aufholen, was ich jetzt seit etwas über 2 Wochen vor mir her schiebe. Aber ich denke besser spät als nie, und an alle Leser, man verzeihe mir, dass dieser Bericht jetzt die chronologische Abfolge etwas durcheinander bringt.

Vorweg möchte ich gerne schreiben, dass aus meinen Überlegungen heraus die nächsten beiden Artikel von mir einer etwas anderen Art unterliegen werden.

Wir schreiben den 02. Juli 2011 und befinden uns auf der E45 nahe des Punktes 56°43’N 009°32’O, oder genauer gesagt überqueren wir gerade in unseren Bus den Veijefjord in Dänemark. Unser Ziel ist Aarhus; unsere Mission ist die Teilnahme an der Challenge Aarhus und das Vertreten der verrücktesten Triathlon Fan Gemeinde Deutschlands.

Mein persönliches Gefühl ist sehr durchwachsen: das Wetter ist ungemütlich, ich habe die letzte Woche mehr im Auto oder im Gelände verbracht als eine anständige Vorbereitung durchzuführen und ich fühle mich platt und unausgeschlafen. So geht es mir schon in über einen längeren Zeitraum, und so richtig heiß auf einen Wettkampf bin ich zur Zeit gar nicht. 1500 Starter warten darauf sich mit mir in die Ostsee zu schmeißen, und wir cruisen durch eine sehr schöne Landschaft. Als wir Skanderborg passieren, lässt der Blick nach rechts die bereits vorbereitete Radstrecke erkennen, und ich bin etwas erleichtert, dass Tore und ich die Strecke schon einmal abgefahren sind. Es beruhigt mich zu wissen wo die Berge und die kniffeligen Punkte auf der Strecke sind, auch wenn mich die Erinnerung etwas schmunzeln lässt. Schließlich hatten wir uns tierisch verfahrene als wir unterwegs waren.

Wir fahren direkt durch zur Registration; der Ablauf ist geplant und wirkt fast wie einstudiert. Man könnte meinen, tägliche Routine, aber der Schein trügt, wie sich noch rausstellen wird. Also, als erstes: Parkplatz suchen, 1 Minute sofort Glück gehabt; Aussteigen und „Rachel“ mein Triathlonrad aus dem Bus helfen und noch einmal den letzten Check machen, 2 Minuten; Helm raus holen, Ausweis, DTU-Startpass und Geld einpacken, 1 Minute. Und los geht’s zum einchecken. Alles ist riesig, überall Leute und in der Wechselzone hängen schon Summen an Fahrrädern. Ich stelle mich bei der Regestrierung an und komme auch schnell ran. Nachdem ich meine Unterlagen empfangen habe und noch meine letzten Fragen stellen wollte, hör ich meinen Namen von links. Welche ein Zufall, Tore, Willi, Udo, Wolle, Ute, Dirk und die anderen „Ladelunder“ stehen schon neben dem Zelt und sind eingecheckt. Ich sammel Chrissie ein und wir halten einen kurzen Schnack. Jetzt noch schnell Rachel zu ihrem Platz bringen und auf geht’s zur Pasta Party.

Die Challenge Organisatoren haben einen Riesen Nudelbuffet aufgebaut, Pasta Satt und in wirklich Riesen Mengen zum selbst bedienen. Während wir uns die letzten Kohlenhydrate rein drücken, baut das Challenge Team ein direkt hinter unserem Tisch ein kleines provisorisches Medienzimmer auf. Und schon ist Rasmus Henning auch zu einem persönlichen Interview vor Ort. Alles wirkt sehr familiär und wie Chrissie und ich so mitbekommen haben Willi und Udo den Rasmus heute schon persönlich gesprochen. Profisport zum anfassen.

Nachdem wir uns ordentlich gestärkt haben machen wir uns dann auch gemeinsam auf dem Weg zum Campingplatz. Dieser liegt direkt an der Radstrecke eingeschlossen von Meer und Wald. Ein wirklich schöner und idyllischer Ort. Schnell einschecken, den Bus parken und die letzten Vorbereitungen für morgen treffen. In der Zwischenzeit ist meine Schwester und ihr Freund auch eingetroffen. Zum Abschluss des Abends sammeln wir uns alle in dem von den Freitags angereisten sehr gemütlich eingerichteten Bereich und sitzen noch schön gemeinsam beisammen. Ob Einzelstarter oder Teamstarter, ob Triathlet in Fan Funktion oder Triathlon Zuschauer; in diesem Moment zählt nur das man gemütlich zusammen sitzt und auf den kommenden Tag mit freudiger Erwartung entgegen fiebert.

Und in mir kommt so langsam wieder das zurück, was mir die letzten Wochen gefehlt hat. Das Zusammensein mit Gleichgesinnten und Gleicheingestellten; so wie es auch nach dem Herrenkoog noch war, als wir bis zum bitteren Ende am Tümpel ausgehalten hatten. Zum Abschluss des Abends gehe ich positiv eingestimmt ins Bett und fühle mich am nächsten Tag ausgeschlafen und fit.

Wir frühstücken gemeinsam, machen die letzten Checks ob alles vorhanden ist und fahren zum Start. Schließlich wird die Straße um 07:30 gesperrt. Ich möchte anmerken, dass ich alles überprüft hatte und alles vorhanden war. Wir kommen an, ich gehe in die Wechselzone und bereite meine Fahrrad vor, packe meine beiden Wechselbeutel und gehe mit meinem Neo aus der Wecheselzone. Draussen angekommen fange ich mich an umzuziehen und stelle panisch fest, dass meine Badekappe verschwunden ist. Auch ein suchen bleibt erfolglos. Chrissie versucht auch noch eine von den Organisatoren zu bekommen, leider ohne Erfolg. Das Wasser hat 13 Grad, und ich komm mir vor, als ob das mein 1. Triathlon ist. Kein schönes Gefühl. Lars, der Freund meiner Schwester, entschließt sich schließlich dazu, durch die abgesperrten Straßen zurück zum Campingplatz zu fahren und dort zu suchen. Rechtzeitig um kurz vor 8 taucht er mit einer Badekappe auf, zwar nicht die von der Challenge, aber in dem Chaos hat er dann noch eine vom Herrenkoog gefunden. Wie gut, dass wir den Bus dann doch nicht so oft ausmisten. Ich bin fertig und gehe zum Start. (Ich habe die Badekappe übrigens ne Woche später in meiner Trainingsjacke wieder gefunden, welche ich die ganze Zeit zum warmhalten getragen hatte, wie gesagt; ich habe mich wie ein blutiger Anfänger verhalten und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen).

Ich starte in der 3 Schwimmgruppe, ich geh ins Wasser und auf einmal schubst mich einer beim Start an. Tim-Ole von den TriAs steht neben mir und zittert. Ja, es ist schon verdammt kalt. Es wird runter gezählt und wir schwimmen los. Die weiteren Details, vor allem über den Geruch des Wassers beim Ausstieg erspare ich jetzt. Es geht ab auf’s Rad und wir rollen los. Die Strecke ist sehr hügelig und kurvig. Sie macht laune. Der erste Anstieg kommt, und ich fühle mich im Vergleich zu den letzten Wochen sehr gut auf dem Rad. Es geht Berg runter, und in die Kurve. Ich muss bremsen und höre nur ein lautes knacken. Vor meinen Augen spielt sich eine Szene aus Werner ab, der vordere Bremszug ist gerissen und ich greife mit meiner linken Hand ins leere. Klasse kurzer Blick auf den Tacho – Mist und der ist jetzt auch ausgefallen, Klasse!!! Fängt ja gut an. Welch Spass, dann werd ich jetzt wohl mal nur mit einer Bremse weiter fahren. Wird schon. An der ersten Verpflegungsstation löst sich der Spritzschutz meiner Aerotrinkflasche, ich überlege noch anzuhalten, entscheide mich dann doch für’s weiterfahren. hilft ja nichts, bis ich das jetzt finde, das kann dauern. Nach ca. 92 km durch eine schöne Landschaft in Dänemark und einer komplett für den Verkehr gesperrten Strecke sind wir zurück in Aarhus. Mit dem Gefühl die ein oder andere Proette auf dem Rad überholt zu haben geht es auf die Laufstrecke. Und ich merke bei den ersten Mettern, das wird heute nichts. Ich bekomme die Füße nicht hoch, und fang an mich zu ärgern. Dank Chrissies Pulsuhr habe ich wenigsten meine Pulswerte. Die Laufstrecke führt ins Zentrum von Aarhus und verläuft durch die Stadt, durch eine riesengroße Tiefgarage auf mehreren Ebenen und auch noch durch das innere des Museums. Geile Idee, aber für meinen schleppenden Laufstil am heutigen Tage leider nicht so förderlich. Am Ende meiner 1 Laufrunde begegne ich Willi. Ein paar aufmunternde Worte und er zieht vorbei. Willi und ich begegnen uns dann noch 2 mal auf der Strecke, die anderen scheine ich irgendwie zu verpassen.

Ich erreiche schließlich das Ziel, die Proetten, welche ich auf dem Rad überholt habe, haben mich natürlich beim Laufen wieder überholt. Ist auch egal, ich bin mit mir selbst, und wie ein guter Freund mir dieses Jahr gesagt hat, mit Atmen beschäftigt. Es ist schön Chrissie, meine Schwester und Lars im Ziel zu sehen, doch ich bin zum ersten mal seit dem Ostseeman so richtig erschöpft, dass ich sie leider nicht richtig wahrnehmen kann. Ich denke mir, Dennis, du hast noch viel Arbeit vor dir. Und wieder habe ich ein gemischtes Gefühl in mir: Froh, dass ich es geschafft habe; aber ich ärgere mich, dass ich das Laufen nicht so umsetzen konnte wie ich es mir vorgenommen habe. Nach und nach kommen auch unsere Weggefährten ins Ziel.

Ich schreibe bewusst nicht über Zeiten oder Platzierungen, weil dieses Wochenende zu mindestens für mich wieder die Sinnfrage beantwortet hat, warum wir eigentlich Triathlon machen. Es geht um die Leute mit denen wir es machen und ums finishen, egal in welcher Zeit. Denn was wir leisten, dass ist schon beeindruckend, egal in welcher Zeit und egal über welche Distanz.

Ich will jetzt auch zum Ende kommen, aber ein Wochenende wie dieses macht diesen Sport so lebenswert.

An dieser Stelle möchte ich Tore, Willi, Udo, Birte, Dirk, Michael, Wolle und Ute für die schöne Zeit danken. An meine Schwester und Lars selbstverständlich auch, vor allem weil sie den weiten Weg zum unterstützen auf sich genommen haben. Und zu guter letzt, und das wird im nächsten Bericht noch einmal deutlich, Danke ich Chrissie, weil sie durch ihre Unterstützung und ihre Einsatzwillen vieles erst möglich macht. Ich weiß es sehr zu schätzen.

2 Kommentare

    • Frank L. on 21. Juli 2011 at 22:23
    • Antworten

    Da gucke ich kurz vor dem zu Bett gehen nochmal kurz in die Floose-News und finde diese geniale Gute-Nacht-Lektüre.
    Vielen Dank an Dennis, für den Bericht.
    Und wie Coco schon sagte: Triathlon ist einfach nur geil!
    Damit ist nicht nur der Sport an sich gemeint, sondern auch die Leute, die diesen Sport betreiben!
    Toll, dass es Euch alle gibt!

    • Stephan on 22. Juli 2011 at 10:22
    • Antworten

    Lieber Dennis,
    ich danke dir für diesen Gänsehaut-Bericht!

    Hoffentlich bis bald

    Stephan

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