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Aug 14

Ostseeman – aus Staffel 701 Sicht

Ein Sprichwort sagt: >>Was lange dauert, wird endlich gut<< Ich glaube, wenn man von einem Jahresprojekt spricht, darf man ruhig schon den Zeitabschnitt lang benutzen. Und die Entscheidung zur Teilnahme am diesjährigen Ostseeman, war über ein Jahr geplant, aus der Euphorie heraus und zwangsweise auch durch die schnelle Vergabe der Startplätze. Nach dem Finish bei meinem Einzelstart, war ich mir eigentlich ziemlich sicher, nicht mehr als Einzelstarter anzutreten. Es war zwar ein tolles Gefühl und die Veranstaltung war super gelungen, aber zu dem Zeitpunkt war ich immer noch der Auffassung getreu nach dem Motto: Passt gut auf, ich mach diese Geschichte nur einmal! Aber irgendwie war es schon schön, in der Menge der Zuschauer unter zugehen, und am Ende dieses blöde kleine Stück Metall um den Hals zu tragen, auf dem Ostseeman Finisher drauf steht. Also ließ ich mich zu der Ausrede hinreiten, ich starte 2011 bei einer Staffel. Chrissie’s Antwort war relativ knapp aber bestimmend. OK, ich bin dabei, eine Disziplin übernehme ich. Somit blieben zwei für mich … Da ich der Ansicht war, dass Sie sich die Medaille auch richtig verdienen musste, überlies ich ihr die Wahl zwischen Radfahren und Laufen. Sie entschied sich für das letztere und unsere gemeinsame Staffel war geboren, und um es vorweg zunehmen, ohne das es jetzt blöd klingt die einzige Floosestaffel die in der Originalbesetzung geblieben ist. Am Tag darauf, den Montag fuhren wir dann mit den restlichen Teilnehmern zu Bernhard um an der traditionellen Ostseemannachlese mit einem sehr gemütlichen Grillabend, reichlichen Bildern und den ganzen Heldengeschichten des Vortages zu verbringen. Während des Grillens ging die Frage durch die Runde, wer den im nächsten Jahr starten möchte. Da für Jutta, Peter und Bine die Option der Teilnahme am Norseman im Raum stand, war die drei die Option des Einzelstarts beim Ostseeman die Alternative, falls Sie keinen Startplatz in Norwegen erhalten würden. Der Rest der Gruppe würfelte sich irgendwie zu drei weiteren Staffeln zusammen, welche ich mittlerweile in Ihrer Originalbesetzung leider nicht mehr wieder geben kann. So viel zu der Einleitung meines Berichts, und leider habe ich mal wieder viel zu viel Buchstaben damit verbracht….
Das Schöne am Ostseeman ist, dass er für uns vor der Haustür ist, somit hatte man in dem ganzen Jahr genug Zeit erst die Laufstrecke, dann die Radstrecke und zum Schluss auch die Schwimmstrecke zu nutzen und sich auf die Gegebenheiten einzustellen. Am 5. August war es dann soweit, die Pastaparty stand an und somit auch der Empfang der Startunterlagen. Da man die meisten aus dem Verein in den letzten Tagen nicht gesehen hatte, freute man sich auf den „Klugschnack“ vor dem Rennen. Als wir in die Rudehalle kamen war es schon brechend voll, aber von meinem Eindruck mehr Helfer als Athleten und die erhofften Bekannten Gesichter hielten sich dann zahlenmäßig leider auch in Grenzen. Aufgrund der langen Wartezeit an der Essensausgabe blieb man dann doch länger in der Rudehalle als erwartet. Jutta und Ocke hatten es sich bereits auf der Wiese am Yachthafen gemütlich gemacht und so ging es dann im Anschluss noch mal runter, um mit Juta, Ocke, Marc und Steffi ein bisschen über unseren Sport zu philosophieren. Irgendwann kam dann die Müdigkeit, und aufgrund einer gewissen Zickigkeit eines schwarzen Fiat Ducatos, ging es auch wieder zurück nach Flensburg. Samstag war dann Wettkampfbesprechung und Rad Check In. Die Wettkampfbesprechung war relativ unspektakulär und somit entschied ich mich rechtzeitig mein Rad abzugeben. Gegen allen Erwartungen ging es dann doch schneller und somit war mein Rad nach 10 min fertig auf seinen reservierten Platz und Chrissie und ich gingen wieder zum Yachthafen, um dort den Rest zu treffen. Zu der Radabgabe ist leider zu sagen, dass das Ostseemanteam dieses Jahr keine Fahrradgaragen bereitstellte und ich in meinem Chaos die alten leider zu Hause vergessen hatte. Eine Sache, die mir auch nicht mehr passieren wird… Gegen Abend ging es dann wieder nach Hause, um dort für den Race Day alles vorzubereiten. Es ging früh zu Bett, und die Nacht war aus meiner Sicht auch sehr entspannend.
Sonntag morgens um 5 klingelte dann der Wecker, schnell eine Kleinigkeit frühstücken, ein bisschen Power Bar Drink zum runter spülen und dann sollte es auch schon losgehen.
Ich hätte mir im nach hinein das Befüllen der Trinkflaschen schenken können. Als wir in Glücksburg ankamen, hatte ich schon den gesamten Inhalt in Chrissie’s Auto verteilt. Frühes Aufstehen ist nichts für mich, auch wenn Chrissie diesbezüglich anderer Meinung ist und ihrer Meinung nach, mir das auch zu späterer Stunde passiert wäre. Wieder etwas, was mir nicht mehr passiert…
Wir checkten in die Wechselzone ein, ich bereite mein Fahrrad für den Wechsel vor, zog meinen Neo an und ging zu Strand. Und die Zeit rannte, plötzlich war es 6:45 Uhr und ich war noch nicht einmal bis zum Wasser vorgekommen. Mir ist mal wieder was wichtiges dazwischen gekommen. Wenigstens konnte ich mich noch im Wasser aklimatisieren und stellte mich dann in die erste Reihe direkt neben einem der Footballspieler. Der Ablauf war wie im letzten Jahr, die kurze Morgenandacht, von der ich leider nicht viel mitbekam, der Schnelldurchlauf der Nationalhymnen TopTen und dann war es auch schon soweit. Es wurde runter gezählt und dann ging es los. Ich wäre dann noch beinahe mit dem Footballspieler zusammengestossen, vielleicht hätte ich ihn vorher mal fragen sollen, in welche Richtung er sich aus dem Staub macht. Trotzdem kam ich gut weg und war bereits vor dem Steg in meinem gewohnten wohlfühl Viererzug. Bis zur ersten Wendemarke lief es auch extrem locker und dann kam’s. Wind und Wellen in der vollen Breitseite. Für mich als rechtsatmer etwas ungünstig, und ich hatte das gleiche Erlebnis wie beim Fördecrossing, dass ich auf einen Zweierarmzug wechseln musste und meinen Rhythmus komplett verlor. Das schöne am Triathlon ist, dass die Bedingungen für alle gleich sind, der eine kommt halt nur etwas besser damit klar als der andere. Nach der zweiten Wendemarke ging es dann wieder etwas lockerer, aber es gingen reichlich Körner verloren. Der lange Weg zurück lief dann wieder sehr entspannend und die Erinnerungen vom letzten Jahr waren auch wieder da. Ich fühlte mich dieses Jahr trotz der schwereren Bedingungen besser. Zu dem Zeitpunkt dachte ich ernsthaft wieder unter einer Stunde schwimmen zu können. Leider erwies sich das als auf Kies gefurzt. Die Strecke gegen den Wind kostete mich dann doch mehr Zeit als erwartet. Trotzdem ging es locker zurück bis zum Strand. Auf dem Weg zum Wechselzelt ging dann der Kampf mit meinem Neo los. Irgendwie hatte ich ihn verdreht. Mir viel ein Stein vom Herzen als ich ins Zelt kam und ein bekanntes Gesicht sah. Wolle stand lächelnd vor mir und baute mich mit seiner liebenswerten Art wieder etwas auf. Mein Experiment mit den Armcoolers klappte auch nicht so reibungslos wie geplant. Eine Sache über die ich mir noch ernsthaft Gedanken machen muss…
Ich lief durch die Wechselzone, musste mich an den warteten Staffelradfahrern vorbeiquetschen, freute mich Tim in der Menge zu sehen und ärgerte mich über den ein oder anderen, der sich tollpatschig in den Weg stellte. Im Staffelradbereich wartete Chrissie. Unser Gespräch endete mit: dann fährst du halt schneller Rad und holst die Zeit wieder rein (welches ihre Antwort mit einem lieben Lächeln auf meine Entschuldigung für die langsame Schwimmzeit war). Zu dem Zeitpunkt, war mir klar, dass ich doch nicht so schnell im Wasser war wie ich dachte. Ich schnappte mir mein Rad, lief los sprang auf und fing an zu treten. Ich schaute auf meinen Tacho, und da hatte ich den Beweis. Es war 8:10, ich überlegt mir noch kurz, ob ich das mit einem sehr gemütlichen Wechsel noch schön reden konnte, hielt mich dann aber an die Tatsache zu akzeptieren. Mein Rad Plan war die erste Runde in 52 min und dann das Tempo auf 49 min zu erhöhen. Trotz der Bedingungen ging mein Plan auf und die ersten 90 km waren sogar etwas schneller als erwartet. Mittlerweile war es kurz vor 11:00 Uhr und der Wind nahm zu. Ich konnte mein Tempo zwar halten, aber der Plan mit dem Gedanken ohne laufen zu müssen, das Tempo noch einmal zu erhöhen, erwies sich dann doch kräfteraubender als gedacht. Das was in der 5 Runde passierte, lass ich jetzt mal unkommentiert. Da ich vorne Schwalbe und hinten Conti fuhr, würde ich den Pneustreitern einfach ein Unentschieden anbieten. Und ich hatte zum ersten mal in einem Wettkampf Plattfuss. Ich liebe mein Bauchgefühl und die erstmalige Mitnahme eines Mobiltelefons und die Mitnahme des zweiten Laufradsatzes erwiesen sich als Retter. Hier zeigte sich auch der Unterschied zwischen einem Staffel- und einem Einzelstart. Wäre ich alleine gestartet, dann hätte ich vielleicht das Rennen zu diesem Zeitpunkt zwischen Holnis und Glücksburg beendet. Ich wollte jedoch Chrissie auf die Laufstrecke bringen, also gab es nur ein Ziel; irgendwie weiter kommen. Der Radwechsel hätte das ein oder andere Formel 1 Team beeindruckt. Und die letzten 30 km legte ich dann mit so einer Wut im Bauch zurück, vielleicht hatte ich auch wieder etwas mehr Kraft durch meine Zwangspause. Auf jeden Fall war es schön sich ein letztes Mal den Berg hoch zu quälen und Bernhard’s Moderation zu hören. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass es ungemein geholfen hatte, so viele Bekannte Gesichter am Verpflegungspunkt zu sehen und Bernhard hat die Moderation mal wieder richtig klasse gemacht.
Ich kam in die Wechselzone, musste mich dann mal kurz im Chaos der Radabnahme sammeln und beeilte mich, Chrissie zu finden und den Timechip zu übergeben. Das Positive an dem Radtag war, dass es nicht nur mir so ging. Kurz vor der Wechselzone hatte mich Jens noch eingeholt. So waren wir dann ziemlich zeitgleich in der Wechselzone. Ich nahm sein Angebot gemeinsam auszulaufen dankend an. Und ohne darüber nachzudenken, verließen wir die Wechselzone Richtung Laufstrecke. Aufgrund der Tatsache, dass wir unsere Startnummernbänder noch umhatten und wir für die Meute nicht von den Läufern zu unterscheiden waren, wurden wir wie die großen gefeiert. Ein Wahnsinns Gänsehautgefühl. Wir nahmen dann die erste Möglichkeit wieder runter von der Laufstrecke. Trotzdem war es schön. Und jetzt fing der wahre Stress für mich erst an. Ich wollte Chrissie bestmöglich unterstützen. Aber leider verpasste ich sie knapp bei ihrer ersten Runde. Somit musste ich dann noch einmal auf die Laufrunde, um ihr hinterherzulaufen. Ich war so in Euphorie, dass ich mir gar keine Gedanken über diese blöde Idee machte. Ich schaffte es aber nicht, sie bis zum Campingplatz einzuholen. Naja, ich wartete und unterhielt mich mit den Helfern bis Chrissie vom Wendepunkt zurückkam. Bei ihr lief es locker und sie war gut drauf. Nix zum Sorgen machen. Ich wartete noch einen Moment auf Udo und machte mich dann zurück zum Start-Zielbereich, um dort auf Chrissie wieder zu warten. Nach der zweiten Runde war alles immer noch locker. Ich hatte zwischenzeitlich mein Fahrrad geholt und pendelte dann wieder durch Glücksburg zur Petersenallee, einer Schlüsselstelle auf der Laufstrecke. Chrissie lies mich auch nicht lange warten und was mich jetzt wirklich beeindruckte war, dass sie diesen verdammten Berg auch das dritte mal hinter einander hochlief, während andere bereits gingen. Es lief wirklich sehr gut. Ich setzte mich wieder auf mein Rad und fuhr wieder zum Start-Zielbereich. Als Chrissie sich ihr drittes Band abgeholt hat, fingen leider auch langsam die Schmerzen an. Ich setzte mich wieder auf’s Rad und wiederholte meine Tour zur Petersenallee. Ich stellte mich wieder zu meiner bereits sehr dick angefreudeten Zuschauergruppe und wartete. Chrissie lief auch den Berg das vierte mal durch, aber ihre Schmerzen wurden stärker. Die letzten 10 und der Kampf fing an. Als sie sich das letzte Band holte, tat es richtig weh. Ich versuchte sie noch ein bisschen aufzumuntern, aber ich kannte das Gefühl aus dem letzten Jahr. Ich erinnerte sie noch einmal an Peter’s Worte: Es sind nur 5 Runden. Ich fuhr zum letzten Mal zur Petersenallee. Diesmal musste ich doch ein bisschen länger warten und ich fing mir an Sorgen zu machen. Wir gingen dann diesen blöden Berg gemeinsam ein letztes mal hoch. Von da an war es überschaubar. Es würde zwar bis zur Brücke noch weh tun, aber danach war das Ding gegessen. Ich fuhr zum Yachthafen, traf dort die üblichen Bekannten und machte mich auf den Weg, Chrissie entgegenzugehen. Wir liefen dann gemeinsam von der Brücke in den Zielbereich und es war schön zu sehen, dass sie wieder lächeln konnte. Unser Finish war zwar nicht in der Zeit in der wir es geplant hatten, aber an so einem Tag war das Überqueren der Ziellinie um einiges mehr wert.
Ich stelle mir jetzt nach knapp einer Woche übrigens immer noch die Frage, ob der Radfahrer mit dem Schutzblech meine Aussage bezüglich seiner Disqualifikationsgefahr aufgrund unerlaubter Wettbewerbsvorteile durch Anbringen eines Aerodynamsichen Spoilers, als Spass verstanden hat. Da es in meiner letzten Runde war, hatte ich nicht so die Zeit, das mit ihm zu klären…

Ich hatte noch einen Auftrag: Ich musste noch schnell die Welt retten … 😉

3 Kommentare

  1. Jan, Sandra und Haye S. aus L.

    Vielen Dank Dennis für diesen erneuten literaischen Genuss.Ich wollte auch eien kleinen Bericht schreiben, konnte mich bisher aber nicht so Recht aufraffen, da aufgrund schier endlosen Erlebnisse und Ereignisse rund um die Floose, gar nicht geanu wusste wo ich anfangen und vor allem wieder aufhören sollte. Aber nun haben wir ja 2 Berichte und das ist auch gut so.. Ich sehe Peter und Sabine übrigens als eine Einheit und behaupte daher, dass „meine“ Staffel doch noch in Originalbesetzung gestartet ist, wenn auch mit getauschten Disziplinen 😉 .
    Es war ein Hammergeiles Wochenende und wir danken allen, die dazu beigetragen haben. Wir können schon jetzt kaum den Start des Ostseeman 2012 erwarten.

    Die Langenhorner
    Jan, Sandra und Haye

  2. Tim & Marzi

    Mal wieder eine wirklich toll geschriebener Bericht…danke Dennis! Hatten das Gefühl, dass wir auf deinem Gepäckträger saßen…. 😉 !

    Da ich ein fotografisches Gedächnis habe hier die Original-Staffeln nochmal:
    1a: Marzi+Sandra+Tim -> Stephan+Tim+Tim
    1b: Peter+Jan+Steffi -> Jan+Bine+Steffi
    1c: Hans+Arne+Ute -> Hans+Arne+Peter

    Und nächstes Jahr werden es noch mehr 😉

    Chrissie – die schmerzen haben sich bezahlt gemacht…hattest wirklich eine tolle Zielzeit, erster Marathon – RESPEKT!

    LG Tim & Marzi

  3. Stephan

    Lieber Dennis,
    wieder einmal saß ich vorm Rechner und las gebannt deinen Bericht. Mit Gänsehaut kommen erneut die Eindrücke dieses Wochenendes hoch. Vielen Dank dafür!
    Übrigens danke, dass du die Welt gerettet hast! Es war deutlich zu spüren. Es war so gegen 14 Uhr, oder?

    LG
    Stephan

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