Jul 06

Herrenkoog 2014 aus der Sicht von Jan

Nach 4 Jahren schier unendlicher Wartezeit und 2 gescheiterten Versuchen überhaupt bei der Mitteldistanz als Einzelstarter anzutreten, war nun endlich der große Tag gekommen. Ich fühlte mich gut vorbereitet und habe mich schon riesig auf den Start gefreut. Die letzten Tage dachte und sagte ich jeden Tag auf´s neue „so dicht war ich dem Start noch nie gekommen“. Von Sandra wurde ich deswegen ständig ermahnt solche Äußerungen doch zu unterlassen, dann noch stehe ich nicht am Start.

Schon am Freitag stellte sich beim Frühstück eine große innere Unruhe ein. Na gut, das soll dann wohl so sein. Bei der Arbeit war ich glücklicherweise abgelenkt. Um 16 Uhr war Zeltaufbau angesagt. Anschließend holte ich die Startunterlagen ab und dann war sie wieder da, diese innere Unruhe, sogar noch schlimmer wie beim Frühstück. Die Wechselzone war aufgebaut, die Wendebojen gesetzt, der Torbogen zur Wechselzone und natürlich der Zielbogen standen bereits. Wer kann da schon ruhig bleiben?

Ellen Lo. hatte Geburtstag, also wurde natürlich noch auf ihren Ehrentag angestossen. Ein wenig quatschen hier, ein wenig quatschen da, das ist Herrenkoog.

Leider wurde der Abend noch durch einen medizinschen Notfall überschattet. Wir hoffen das Beste für unseren Sportkollegen und sind in Gedanken bei ihm.

Irgendwann ging es dann nach Hause, um die Sachen für den nächsten Tag zu packen, sich abzulenken und hoffentlich ausreichend zu schlafen.

Am nächsten Tag ging es dann frühzeitig in den Herrenkoog. Von weitem sah man schon die ersten Autos, und dass die ersten Räder schon eingecheckt wurden. Auto abstellen, ausladen, Rad einchecken. Die Aufregung wurde größer. Der Start meiner ersten Mitteldistanz rückte näher. Heute ist der Tag.

Leider war ich vor lauter Nervosität kaum in der Lage den vielen Bekannten gegenüber, die ich traf, mehr als ein „Hallo“ und „viel Spass“, herauszubringen. Noch schnell auf´s Dixie und dann umziehen. Alles wird gut. Und dann der Schock: meine Pulsuhr funktioniert nicht. Durchatmen. Sensor neu scannen. Na also, geht doch. Ne, geht doch nicht. Nach mehreren Versuchen immer wieder das gleiche Problem. Das muss die Batterie sein. Im Tacho ist die gleiche Batterie, dank der Hilfe von Panse klappte der Wechsel, aber es wurde nicht besser. S………

Na gut, dann eben ohne Pulsuhr. Im Wasser funktionierte das blöde Ding wieder. Oder? Ne doch nicht. Noch eine Minute bis zum Start. Egal, irgendwie werde ich schon erfolgreich scheitern.

 

Und dann ging es los. Zum Glück gehört das Schwimmen zu meinen Lieblingsdisziplinen, so war ich erst einmal abgelenkt. Das Schwimmen lief super und ich fühlte mich richtig gut, als ich aus dem Wasser kam. Die Zuschauer und Börni´s Moderation verbesserten meine Laune noch mehr. Und als dann plötzlich meine Pulsuhr wieder was anzeigte (und bis zum Schluss tadellos funktionierte) war ich wieder beruhigt. Der Wechsel klappte super und ich lief mit einem breiten Grinsen im Gesicht zum Ende der Wechselzone. Ab auf´s Rad und vier Runden auf meiner Hausstrecke geniessen. Den Puls immer im Blick um ja nicht zu überpacen. Und nicht von den anderen zu einem Rennen verleiten lassen, das ich definitiv nicht beenden würde. Einer nach dem Anderen überholte mich. Macht nix, muss gleich vorbei sein, da mich gefühlt schon alle überholt hatten. In der dritten Runde war dann klar, dass auch das Radfahren super läuft, denn ich war schneller als erwartet und fühlte mich super. In der letzten Runde bekam ich das Grinsen dann auch nicht mehr aus dem Gesicht.

Beim zweiten Wechsel ermahnte mich Marzi: „Lass dir Zeit, das ist tierisch heiß“. Wirklich? Auf dem Rad habe ich nichts davon gemerkt.

Die erste Laufrunde war super und schneller wie erwartet, ich fühlte mich einfach nur gut. Und dann kam die zweite Runde. Kurz hinter dem Wendepunkt stand dieser blöde Kerl mit dem Hammer und hat mich voll erwischt. Ich mußte gehen. Verdammt. Ich war kurz davor aufzugeben. Aber das durfte nicht sein. Also Zähne zusammenbeißen und weiter machen. Am Brodersenhof gab es viele Anfeuerungsrufe, aber mein Grinsen war weg. Und kurz danach musste ich wieder gehen. Nach dem Wendepunkt schon wieder. Das meiste Wasser wurde zum Duschen und nicht zum Trinken verwendet. Meine Beine sagten sie brauchen Gels. Meine Verdauung sagte:“Noch ein so´n Teil, und ich rebelliere“ Also gut, denn eben nicht. Dann kam mir Hans auf dem Fahrrad entgegen: „Sandra hat Salz“. Am Brodersenhof bekam ich eine Saltztablette (vielen Dank an Kerstin und Tobi) und wenig später war wieder alles gut. Die Verdauung zickte nicht mehr rum, und ich konnte die letzte Runde komplett laufend absolvieren.

Kurz vorm Ziel stand Haye, um mit mir gemeinsam ins Ziel zu laufen. Welch ein Gefühl, gleich habe ich es wirklich geschafft. Schlussspurt? Vergiss es! Einfach so weitermachen. Börni kündigte mich an, und er erzählte, dass er Recht behalten hatte. Mein Ziel war in 5:45 zu finishen. Er sagte schon vorher immer, ich würde es in 5:30 schaffen. Im Zielbereich stand Sandra und wartete mit ausgebreitenen Armen auf mich. Nur noch wenige Schritte, Arme hoch …….geschafft. Ich fiel Sandra in die Arme und konnte es kaum glauben. Ich hatte die Mitteldistanz wirklich gefinished. Die genaue Zeit habe ich leider nicht, aber das müßte bei 5:32 gewesen sein. Freude pur, Tränen und unglaubliche Glücksgefühe. Die Ärzte und Therpauten haben die letzten Jahre zu mir gesagt:“Rennradfahren? Nicht mit Ihrem Rücken. Lange Strecken laufen? Nicht mit Ihren Knien.“ Von wegen.

Die lange Vorfreude von 4 Jahren, die vielen Monate der Vorbereitung. Zwei Mal durch unglückliche Umstände zu nichte gemacht und nicht mal an den Start gekommen. Aber letztendlich doch gefinished.

Vielen Dank an Sandra und Haye, die die ganze Zeit an mich geglaubt haben und mich unterstützt haben. Ich liebe Euch.

Und vielen Dank an alle anderen, die mich in der Vorbereitung und im Wettkampf unterstützt und immer wieder aufgebaut haben.

 

Leider habe ich vom Kindertriathlon und dem Jedermanntriathlon nichts mitbekommen. Herzlichen Glückwunsch an alle Finsher, ob Staffel, Einzelstarter, Kind, Jedermann oder Mitteldistanzler.

 

Auf der Strecke kämpfen wir alleine, an der Strecke kämpfen viele andere mit und für uns. Das ist Triathlon, das ist Floose.

 

Leider habe ich keine Bilder, aber die kommen ja noch von Marzi.

Und Danke Flo, dass ich zuerst schreiben durfte.

Herrenkoog1225

7 Kommentare

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  1. HAMMER!!!!!!!

    • Inke Andresen on 6. Juli 2014 at 21:44
    • Antworten

    Glückwunsch Jan, toller Text, Gänsehaut pur !!!!

  2. Meinen herzlichsten Glückwunsch, Jan!
    Das Leben steckt voller Tiefen und Höhen.
    Ständig sind wir Menschen am ausbalancieren, um selbst zufrieden zu sein.
    Am schönsten sind die Momente, in denen lang ersehnte Träume in Erfüllung gehen.
    Momente, die unseren Körper voller Endorphine pumpen und derart glücklich oder stolz machen, dass wir lange Zeit davon zehren können.
    Genau so etwas ist dir im Herrenkoog passiert.
    Ich selbst war Zeuge deines Zieleinlaufes und deiner Emotionen.
    Dieses Erlebnis wird dich jetzt für den Rest des Lebens prägen.
    Ich freue mich für dich!

    Überhaupt war der diesjährige Herrenkoog-Triathlon eine echt tolle Veranstaltung.
    Zumindest hat es mir persönlich einfach tierisch gut gefallen!
    Die Stimmung, das Wetter, die Zuschauer und auch das ganze Gewusel in der Wechselzone.
    Vermutlich lag das daran, dass ich dieses Jahr lediglich die Jedermanndistanz bestritten habe.
    So konnte ich alle Distanzen verfolgen, selbst anfeuern, meinen Sohn coachen und später trotzdem noch aktiv mitwirken.
    Die Kids haben mich schwer beeindruckt – ihr seid alle echt spitze!
    Bei den Jedermännern konnte ich selbst Gas geben, sogar das Schwimmen klappte einigermaßen.
    Später verfolgte ich dann die Runden- bzw. Zieleinläufe der Mitteldistanzler.
    Schweiß – Sonne – Hitze – Anstrengung und belohnt wurde man im Ziel mit Börnis Moderation und einem kalten Erdinger Alkoholfrei.
    So muss Triathlon sein!

    Herzlichen Glückwunsch an die vielen, erfolgreichen Finisher/innen auf allen Distzanzen!

    Die Floose hat war bei allen Disziplinen super vertreten und es wurden starke Ergebnisse errungen!
    Imke und Hendrik eroberten beim Kindertriathlon sogar das Podest, während Eike auf der Jedermanndistanz der Konkurrenz davoneilte und als erste Frau durchs Ziel lief.

    Vielen Dank an das Orgateam – nur den Regenschauer zur Siegerehrung hättet ihr weglassen können!

    Bis nächstes Jahr!

    • Thorsten on 7. Juli 2014 at 10:31
    • Antworten

    Glückwunsch Jan! Schöner Beitrag, bekommt man richtig Lust auch mal länger unterwegs zu sein 🙂

  3. Geiler Bericht Jan – da fühlt man beim Lesen richtig mit 🙂 Herzlichen Glückwunsch zu Deiner ersten Mitteldistanz – HUT AB
    Und heiß war´s als hätte auf der Laufstrecke irgend jemand einfach den Wind ab und die Heizung angedreht.

  4. Schönes Ding, Jan!
    Gratulieren dir zu deiner ersten Mitteldistanz!

    Du machst auch mir Mut, mit der Rückengeschichte dann doch noch dazu zukommen eine Mitteldistanz zu absolvieren….ganz stark!

    Bilder sind in Arbeit…..dauert noch ein bisschen!

    LG Marzi

  5. Meine Gratulation !

    Starkes Ding. Mal wieder ein lebendes Beispiel, dass Ärzte nicht immer recht haben und was ein Mensch fähig ist zu leisten.

    Und ja es war drückend warm auf der Laufstrecke.

    Danke auch von mir an die Floose für die Unterstützung und Anfeuerung.

    Gruss
    Marco

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