Sep 18

Verbandspolitik aus der Sicht eines nordfriesischen Breitensportlers

DLV / SHLV / KLV / LSV / KSV / SHTU / DTU / Radsport- und Schwimmsportverbände …………

Verbände allein im Bereich „Ausdauersport“ gibt es reichlich.

Dennoch wissen viele aktive Sportler in meinem persönlichen Umfeld kaum etwas darüber oder haben keine Ahnung worin der Zweck und Nutzen besteht!

Als ehrenamtlicher Spartenleiter für den Bereich Triathlon und Lauftreff eines kleinen, dörflichen Vereins in Nordfriesland, beschäftige ich mich natürlich hin und wieder mit diesem Dschungel, was mir übrigens schon eine Menge Freizeit geraubt hat.

Immer häufiger stelle ich mir die Frage, ob dieses ganze Durcheinander überhaupt noch zeitgemäß ist.

Die vielen Richtlinien, Gebühren und fragwürdigen Sicherheitsleistungen sind gewachsene Produkte, wodurch lediglich die eigene Existenz gerechtfertigt werden soll!

Ist es nicht längst überfällig, endlich mal im größeren Maßstab zu denken?

Verbandsübergreifende Absprachen, Prozessoptimierungen, Bereichssynchronisierungen, Kostenreduzierung und Ausgliederungen von aufwendigen Bereichen (die viel besser von externen Partnern übernommen werden könnten) sind zwingend notwendig für einen weiteren und vor allem zukunftsträchtigen Weg!

Betriebsblind kocht jeder sein eigenes Süppchen und schmollt gleichzeitig darüber, dass es es an allen Ecken und Kanten fehlt!

——————–

 Ab 2016 plant der Deutsche Leichtathletik-Verein (DLV) eine neue Gebührenordnung für Veranstaltungen, worin z. T. Kostensteigerungen von bis zu mehreren hundert Prozent enthalten sind.

Das aktuelle Verbandsschreiben „Genehmigungsgebühr Straßen- und Volksläufe“ (bitte einfach mal anklicken und lesen) erklärt die Beweggründe, welche im Zusammenhang mit dem Urteil zur Zulässigkeit von Verbandsabgaben stehen.

——————–

Die Stellungnahme vom DLV halte ich z. T. für recht weit hergeholt und ehrlich gesagt auch als extrem einseitig dargestellt.

Verbandsarbeit ist für bestimmte Bereiche (gerade im Leistungssport und Regelwerk) absolut notwendig, gar keine Frage!

Aber die überwiegende Anzahl an Sportler und Ehrenämtler, die dafür aufkommen sollen, haben z. T. ganz andere Beweggründe.

Auch der kleinste Veranstalter wird zukünftig zum Geldeintreiber abkommandiert und soll automatisch auch noch als Blitzableiter dienen, um den Unmut der Sportler abzufangen.

Welche Vorteile ergeben sich für mich als Breitensportler und/oder verbandszugehörigem Veranstalter durch die neue Gebührenverordnung vom DLV?

Ganz ehrlich: ABSOLUT KEINE!

Vielmehr tritt genau das Gegenteil ein, denn als Vielstarter werde ich jetzt bei allen Veranstaltungen noch tiefer in die Tasche greifen müssen.

Vielen Dank also, lieber DLV!

Und ihr seid euch wirklich sicher, dass dies der Weg in die richtige Zukunft ist?

Meine Situation spiegelt sich bei gut 2/3 aller Veranstaltungsteilnehmer, die ihren Sport als „Breitensport“ und nicht als „Leistungssport“ betreiben.

Der DLV erzwingt durch uns die Finanzierung für Bereiche, mit denen wir selbst nicht identifiziert werden.

Durch eine Verbandsförderung für leistungsorientierte Aktionen ergeben sich für uns keinerlei Vorteile, im Gegensatz zu den Talenten oder Leistungsträgern, die allerdings auch noch eine zusätzliche  Chance auf Vergünstigungen durch Sponsorenverträge, Preisgelder oder sonstige Zuschüsse haben.

Breitensportler werden immer weiter degradiert und dienen nur noch als Mob, der finanziell ausgequetscht werden kann.

Worin besteht für mich da überhaupt der Sinn, dem Verband als Breitensportler anzugehören?

Selbst als kleiner Veranstalter eines Straßenlaufes habe ich nur das Nachsehen und muss mir einen Deckel aufzwängen lassen, der aus Richtlinien, Vorgaben und Bürokratie besteht.

——————–

Lösungsvorschlag:

Das Verbandswesen sollte generell völlig anders aufgezogen werden!

Gerade für die breite Masse muss ein Anreiz entstehen, um sich dem Verband freiwillig anzuschließen.

Warum gibt es keine vergünstigten, vielleicht sogar kostenlose Startgelder für verbandszugehörige Sportler oder so etwas wie eine nicht leistungsorientierte Verbandsserie?

Oder wie wäre es mir einer Bonusleistung auf Kreis- oder Landesebene, die man nach einer gewissen Anzahl von Veranstaltungen im Jahr erhält (z. B. ein gutes T-Shirt oder kostenlose Startplätze für weitere, interessante Veranstaltungen).

Die Zeiten haben sich verändert, besonders im Sport.

Veranstaltungen werden immer kommerzieller, notwendige Sponsorenleistungen bestimmen die Richtung und durch das digitale Zeitalter explodieren förmlich alle Möglichkeiten.

Für Veranstalter, Trainer und Betreuer wird es dagegen aber immer schwieriger, aufwendiger und teurer, alle Richtlinien, Termine, Bestimmungen, Anträge und Forderungen auf einen Nenner zu bringen.

Ärger, Missmut und Undank sind oftmals der Lohn für ihren Einsatz, der zudem gerade bei den verbandszugehörigen Sportvereinen auch noch überwiegend aus Ehrenamtsarbeit besteht.

Ja ganz genau – nicht nur im Verband wird Ehrenamt praktiziert, sondern auch dort, wo realistische Sportförderung betrieben wird – in den Vereinen!

Es ist doch gar kein Wunder, dass bei der verrückt gewordenen Bürokratie immer mehr Freiwillige die Segel streichen!

C’est la vie!

Die Sportverbände argumentieren, durch ihre Arbeit alles in einem gesicherten Rahmen zu halten, was dann den Sport fördern soll.

Dabei ist es genau dieser Rahmen, der die zeitgemäße Entwicklung total behindert.

Längst haben Sponsoren, Medien und geschäftsorientierte Anbieter das Zepter übernommen, dennoch sträuben sich die Verbände mit Händen und Füßen.

Dabei liegt in dieser Tatsache doch ein enormes Kraftpotential für eine gesicherte Zukunft!

Reicht euch alle die Hände und geht den Weg zukünftig gemeinsam.

Ansonsten prallen auch weiterhin die Fronten aufeinander und wie gehabt mogeln sich alle irgendwie naserümpfend aneinander vorbei.

Gerichtsurteile hin oder her – was für ein Kindergarten!

Mein Traum wäre, dass sich alle Verbände kooperativ zusammen setzen und ein gemeinsames, zukünftiges Konzept entwickeln, in dem auch kommerzielle Unternehmen und Sponsoren ihren Platz finden.

Toleranz, Akzeptanz und Kompromisse sind die Grundlagen aus denen erfolgreiche Gemeinschaften entstehen.

Letztlich ist es doch bei allen Beteiligten die Leidenschaft für unseren Sport, die uns vereint!

Vielleicht geht mein Traum ja irgendwann einmal in Erfüllung und ich kann dann mit einem Triathlonstartpass auch an einer Leichtathletikmeisterschaft oder an einer Wertungsfahrt für eine RTF teilnehmen.

——————–

Ich plädiere daher für:

– Zusammenlegung der Verbände

– bessere, steuerliche Vorteile für Ehrenämter

– verbandsübergreifende Startpässe

– vergünstigte Startgelder oder Anreize für Verbandsmitglieder

– Bonusprogramme

– Förderung des Breitensports

und der Weltfrieden liegt mir ebenfalls am Herzen!

——————–

Wie seht ihr solche Sachverhalte?

Über Meinungen und weitere Denkanstöße in alle Richtungen würde ich mich echt freuen!

Nutzt dazu doch bitte einfach die Kommentarfunktion.

1 Kommentar

    • Marzi on 21. September 2014 at 20:23
    • Antworten

    Danke Frank für diesen interessanten Einwand, der sehr wohl berechtig ist.
    Dieses Wirrwarr ist in der Tat überflüssig und total nervig.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.